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Donnerstag, Dezember 25, 2003Stories aus der Kirche
Die Kirche im Dorf, viertel vor vier, neblig trübes Wetter und es ist Heilig Abend. Rappelvoll, als ob Robby Williams live performen würde. Es ist Kindermette und meine Mutter begleitet wie jedes Jahr "ihre" Kinder auf dem MDF-Klavier. Laut ihrer Aussage sind fast alle Mädchen blond und heißen Anna, Anja, Alexa, Alina... Mädchenvornamen mit A als Initialie sind in unserem Dorf scheinbar schwer in Mode. Der Kinderchor begleitet das Krippenspiel, welches als eine Art Musical inszeniert ist. Eine Horde von kindlichen Statisten mimt die Gruppe murmelnder Frauen auf dem Marktplatz von Nazareth sowie die Hirten von Euphrat und Tigris. Außerdem gibt es dann noch den Boten, den Engel, die Gasthausbesitzer sowie Josef und Maria, die scheinbar nur im ersten Monat schwanger ist und nicht zuletzt eine ca. 11 jährige Sprecherin aus dem off. Erster Akt: "Der Kaiser gibt die Verordnung zu einer Volkszählung aus. Auf dem Marktplatz von Nazareth tuscheln die Frauen. "Ich komme aus Emmaus, ich kann doch meinen Laden nicht unbeaufsichtigt lassen." "...und ich muß nach Damaskus." - "Ich muß nach Jericho, der Kaiser hat es ja befohlen..." Das Interessante war, dass es nur ein Funkmikro gab und jedes Mädchen warten mußte, bis die andere ihr das Micro dann überreichte. Es ist dabei nicht einmal runtergefallen. Josef hatte die baritonähnlichste Stimme, den Jungen schätze ich auf 10. Josef und Maria gehen vor dem Altar auf und ab und suchen ein Gasthaus für die Übernachtung. Und dann fing das Lied an. Eine sehr getragene Melodie in Mol oder noch trauriger: "Der Weg so weit, die Last so schwer, als käme doch, ein Gasthaus her..." Dann öffnet ein Gasthauswirt die Tür und lehnt die beiden ab. Hier setzen dann plötzlich 20 Sopranstimmchen lauthals ein und schreien: "NEIN, NEIN, NEIN, mein Haus das ist kein Krankenhaus, Maria und Josef gehen jetzt raus, lalalala Nein, Nein Nein!" Und dann wieder der traurige Part.
Es war einfach köstlich. Wenn sich jemand nicht sicher ist, ob er später mal Kinder haben will, muß er in diese Kindermesse. Danach weiß er es einfach. Die Messe endete dann mit dem Segen des Pfarrers und den Worten"...gehet hin in Frieden... Ich wünsche allen Familien ein frohes Weihnachtsf-" In diesem Moment schrie plötzlich ein Dreijähriger aus einer der hinteren Reihen lauthals "Juhuuu!" und die ganze Gemeinde samt Pfarrer lachte unisono. |